Mode- und Textilindustrie in Krefeld – intercontact lokal (Teil 1)

Seidenstadt Krefeld

Die Gegenwart und Vergangenheit der Textilindustrie in NRW soll Thema einer Reihe von Beiträgen auf unserer Website werden.

Wir möchten aktuelle Ausstellungen und Unternehmen zum Thema Mode und Textil vorstellen sowie einen Blick auf die Geschichte der Textilstädte an Rhein und Ruhr werfen. Beginnen wir mit Krefeld, unserem Unternehmenssitz:

Die Krefelder Textilindustrie – Samt und Seide

Krefeld wird auch die „Samt- und Seidenstadt“ genannt, denn die Stadt hat eine reiche Textilgeschichte. Im 18. und 19. Jahrhundert lag der Fokus vor allem auf der Produktion von Seidenstoffen. Bei einem Spaziergang im Stadtzentrum Krefelds sieht man am Ostwall die Statue eines Seidenwebers, der eine Rolle Tuch auf der Schulter trägt. In Krefeld ist er bekannt als „Meister Ponzelar“. Die Statue ist eine Erinnerung an die goldene Textilzeit und die Arbeit der Weber.

Wenn Sie in Krefeld Textilgeschichte erleben möchten, gibt es viele Möglichkeiten! Das Haus der Seidenkultur, der Krefeld Pavillon1 von Thomas Schütte und das Deutsche Textilmuseum bieten Einblicke in die Geschichte der lokalen Textilindustrie, die jeden Besucher in eine wunderbare Welt eintauchen lässt.

Das Deutsche Textilmuseum befindet sich im Krefelder Stadtteil Linn. Ein Stadtteil, in dem noch mittelalterlicher Flair zu schnuppern ist. Die aktuelle Ausstellung dort ist einen Besuch wert.

„Zeitkolorit. Mode und Chemie im Farbenrausch“
29. September 2019 bis 29. März 2020

Plakat Ausstellung Zeitkolorit

In der neuen Ausstellung „Zeitkolorit. Mode und Chemie im Farbenrausch“ im Deutschen Textilmuseum Krefeld zeigt Annette Paetz gen. Schieck gemeinsam mit ihrem Team eine atemberaubende Auswahl an Farben, Formen und Stoffen – und führt nebenbei in die Chemiekunde ein. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Entwicklung der Mode, allen voran die Damenmode der 1850er bis 1930er Jahre. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei der Farbigkeit und damit verbunden der Geschichte der synthetischen Farbstoffe, die im Jahr 1856 durch Zufall erfunden wurden. So entstand aus Teer, der nichts weiter als ein Abfallprodukt der Kohleverarbeitung war, der erste synthetische Farbstoff: Mauveïn, ein leuchtend violettes Färbemittel.

Führung der intercontact-Modeübersetzer durch die Ausstellung

Die Mode-Übersetzer von intercontact nahmen an einer professionellen Führung durch die Ausstellung, die von Herrn Michaeli geleitet wurde, teil. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Mode und Färbetechniken im Laufe der Zeit. Herr Michaeli erzählt über die ersten Färbetechniken mit natürlichen Farbstoffen und welche Rohstoffe zu den natürlichen Farbstoffen gehören. Für alle Zuhörer visualisiert liegt in einer kleinen Schale die Antwort schon bereit: gehäckselte Krappwurzeln. Aus dieser Wurzel wurde ein roter Farbstoff gewonnen. In einem etwas weiter entfernten Fläschchen sehen wir gemahlene Schildläuse. Auch die getrockneten Körper der Cochenille ergeben einen roten Farbstoff.

Die Erfindung synthetischer Farbstoffe bedeutete eine Wende für die Textilindustrie. Die Erfindung war rein zufällig. Der bekannte Chemiker William Perkin aus Großbritannien suchte im Jahr 1856 nach einem Mittel zur Behandlung von Malaria. Das Arzneimittel wurde nicht hergestellt. Stattdessen entwickelte er einen violetten Farbstoff (Mauveïn) aus Teer, einem Abfallprodukt der Kohleverarbeitung. Diese Entdeckung von Perkin ist der Startschuss für eine wichtige Entwicklung, die die chemische Industrie in Deutschland, durch die Unternehmen Bayer und BASF bereits weit entwickelt, beflügelte. Schon bald nahm Deutschland eine führende Position bei der Entwicklung synthetischer Farbstoffe ein.

Der neue Färbeprozess war weniger arbeitsintensiv und Modeartikel wurden günstiger. Auch die Entwicklung des Textildrucks sorgte dafür, dass Bekleidung günstiger angeboten werden konnte und sich auch die Bevölkerung aus weniger wohlhabenden Schichten neue Kleidung leisten konnte. Neben diesen Vorteilen bargen die neuen Entwicklungen auch Nachteile. Die Farbstoffe waren nicht immer lichtecht und es stellte sich heraus, dass manche Farbstoffe giftig waren. Das Schweinfurter Grün zum Beispiel stellte sich als eine giftige Farbe heraus, die gesundheitliche Beschwerden auslöste. Es gab noch kein Gesetz zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit am Arbeitsplatz.

Wir werfen noch einen letzten Blick auf einige Fläschchen natürliches und synthetisches Indigo und bedanken uns herzlich bei Herrn Michaeli für die Führung. Seine Informationen über Mode, Chemie und Farbstoffe waren verständlich und interessant. Auch die Ausstellung, mit einer Auswahl von ca. 50 Kleidern und zahlreichen Accessoires aus der Sammlung des Deutschen Textilmuseums Krefeld, war sehr beeindruckend.

Marian Verstraaten von intercontact schlägt noch einen Bogen zu unserem Übersetzungsgeschäft:
„Als Übersetzer/in sollte man sich immer intensiv mit seinen Fachgebieten auseinandersetzen. Das gilt natürlich auch für den Textilbereich. Viele textile Bearbeitungs- und Verarbeitungstechniken sind ziemlich abstrakt, ganz zu schweigen von den chemischen Verfahren, die bei Textilien häufig durchgeführt werden. Eine indigoblaue Waschung zum Beispiel – worum handelt es sich genau? Jeder denkt bei Indigo sofort an Jeans. Aber ist unsere Vorstellung konkret genug? Ein gute/r Übersetzer/in weiß, wovon er/sie spricht. Die Arbeit muss Leidenschaft sein. Es ist natürlich auch wichtig, dass man sich häufig und gerne mit den Fachgebieten beschäftigt, auf die man spezialisiert ist. So trennt man die Spreu vom Weizen.“

Wir glauben, dass der Zusammenhang zwischen Textil, Krefeld und intercontact noch etwas komplexer ist und möchten uns weiter damit beschäftigen. Weiteres dazu im nächsten Beitrag!

 

Die Ausstellung im Deutschen Textilmuseum wurde von der Fachhochschule Niederrhein koordiniert. Projektpartner sind das Deutsche Textilmuseum Krefeld, das TextilTechnikum Rheydt, die TH Köln und die TU Dresden.

 

___________________________

1 Die Ausstellung im Krefelder Pavillon heißt „Bauhaus und Industrie in Krefeld“ und läuft noch bis zum 27. Oktober.