Revision bei der Übersetzung nach DIN EN ISO 17100

Mann mit Lupe

 Wichtiges Element einer qualitativ hochwertigen Übersetzung ist die Revision, die deshalb auch als Anforderung in der Norm festgeschrieben ist. Doch was ist überhaupt eine Revision? 

Weltweit gibt es nur eine einzige gültige Norm für Übersetzungsdienstleistungen: die Qualitätsnorm DIN EN ISO 17100. Übersetzer, die nach den dort festgeschriebenen Anforderungen übersetzen und redigieren, liefern eine normgerechte Qualität, die im Normtext auch als „eine qualitativ hochwertige Übersetzungsdienstleistung“ bezeichnet wird. Doch was muss Ihr Übersetzungsbüro beachten, wenn es die Revison einer Übersetzung durchführt? 

Abgrenzung von Revision, Lektorat und Korrekturlesen (Korrektorat)

Fehler passieren überall. Deshalb hat sich bei Übersetzungen eine Überprüfung durch eine zweite Person als sinnvoller Standard der Qualitätssicherung etabliert – oft auch als „Vier-Augen-Prinzip“ bezeichnet.

Korrektorat oder Korrekturlesen: Beim Korrektorat geht es darum, einen übersetzten Text fehlerfrei zu machen. Fehlerfrei unter den Aspekten Rechtschreibung, Grammatik, Typografie, einheitliche Schreibweisen und einheitliche Silbentrennung. Es handelt sich also um eine rein formale Bearbeitung, die den Inhalt des Textes nicht ändert. Zudem erfolgt die Bearbeitung ausschließlich in der Zielsprache, der Korrektor kennt den fremdsprachigen Text nicht und benötigt auch keine Qualifikation als Übersetzer.

Lektorat: Das Lektorat geht einen Schritt weiter als das Korrektorat und befasst sich mit Stilistik und Sprache einer Übersetzung. Der Inhalt des Textes soll so verbessert werden, dass er für die Leser verständlicher wird. Dabei wird bei Bedarf in den Text stark eingegriffen. Schwer verständliche Satzkonstruktionen werden vereinfacht, Wiederholungen werden entfernt. Es können auch Teile ergänzt werden oder Textpassagen in andere Reihenfolge gebracht werden. Auch Lektoren kennen im Normalfall den fremdsprachigen Text nicht und benötigen auch keine Qualifikation als Übersetzer.

Revision: Die Revision hat noch mehr Freiheitsgrade als das Lektorat. Hier darf die Übersetzung sehr umfassend umgeschrieben und auch in großen Teilen neu geschrieben werden, wenn sie im Vergleich zum Ursprungstext dem Anspruch qualitativ hochwertiger Übersetzungen nicht genügt. In der Praxis der Revision von Übersetzungen werden sich solch starke Bearbeitungen aber eher selten finden. Denn dann wäre zu überlegen, ob der ursprüngliche Übersetzer überhaupt für die Tätigkeit geeignet ist.

Die Revision befasst sich sowohl mit dem fremdsprachigen Ursprungstext als auch mit der Übersetzung davon. Die redigierende Person benötigt damit eine Qualifikation als Übersetzer sowie die nötigen Kenntnisse im Fachgebiet des Textes.

Was genau gehört zur Revision einer Übersetzung nach ISO 17100?

Eine Revision umfasst folgende Tätigkeiten: 

    • Prüfung der Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik, Typografie („Korrektorat“)
    • Überprüfung der Konsistenz eines Textes
    • Prüfung des Stils
    • Lesbarkeit und Verständlichkeit im Hinblick auf die jeweilige Zielgruppe
    • Einhaltung der kunden- und projektspezifischen Vorgaben
    • Berücksichtigung der Referenztexte, sofern vorhanden
    • Prüfung des Inhalts und des Sinns (insbesondere Überprüfung der Eigennamen und Zahlen, ob sie korrekt in die Fremdsprache übertragen wurden)
    • Prüfung, ob alle Texte übersetzt wurden
    • Format und Typografie

Welche Voraussetzungen gehören zu einer Revision?

Anders als beim Korrektorat und Lektorat werden bei der Revision einer Übersetzung nicht nur die Qualität des Ergebnisses, sondern auch die Genauigkeit und Originaltreue der Übersetzung geprüft.

Wer die Revision einer Übersetzung durchführen will, muss deshalb über mindestens dieselbe Qualifikation und Kenntnis des jeweiligen Fachgebiets wie der Erst-Übersetzer verfügen.

Es ist nicht zulässig, dass der Erstübersetzer auch die Revision durchführt. Das Vier-Augen-Prinzip schreibt vor, dass eine Revision durch eine zweite Person mit der Qualifikation als Übersetzer und Revisor erfolgt, die im Rahmen einer zweiten Übersetzung die Ergebnisse der ersten Übersetzung überprüft.

Es gibt damit zwei Stufen:

Stufe 1: Primäre Übersetzung, ausgeführt durch einen qualifizierten Übersetzer, der nach der Übersetzung selbst eine erste Überprüfung bzw. Korrektur seiner Übersetzung vornimmt, jedoch nicht die Revision.

Stufe 2: Revision, ausgeführt durch eine zweite Person („Redigierende“), die aufgrund ihrer Qualifikation auch für Stufe 1 in Frage gekommen wäre. Darüber hinaus verfügt sie aber auch über die Qualifikationen, die für eine Revision nötig ist. 

Für welche Übersetzungen wird eine Revision durchgeführt?

Wenn ein Übersetzungsbüro Übersetzungen nach der Norm ISO 17100 anbietet, ist die Revision grundsätzlich ein notwendiger Schritt. Das trifft zum Beispiel auf Übersetzungen zu, mit denen Unternehmen sich nach außen präsentieren oder die juristische Relevanz haben.

Da Revisionen eine Übersetzung aber zwangsläufig aufwändiger machen, ist es in Absprache mit dem Kunden auch möglich, auf Revisionen zu verzichten oder diese nur in reduziertem Umfang durchzuführen. Beispielweise bei internen „Gebrauchstexten“, für die im Einzelfall sogar eine maschinelle Übersetzung ausreicht, ergänzt durch Post-Editing

Revision von Übersetzungen ist bei uns Standard 

Wir arbeiten grundsätzlich bei unseren Übersetzungen nach der ISO-Norm 17100 und weichen davon nur ab, wenn es für Übersetzungen untergeordneter Bedeutung vom Kunden ausdrücklich gewünscht wird.

Der beschriebene Prozess der Revision wird deshalb bei unseren Übersetzungen als wichtiger Schritt der Qualitätskontrolle umgesetzt.

Sie haben weitere Fragen zur Qualitätssicherung bei wichtigen Übersetzungen? Wir beraten Sie gerne kostenlos.