Ausstellung „Mode 68. Mini, Sexy, Provokant“ – Intercontact translations lernt Fashion-Know-how

Sonderausstellung Mode 68

Die Ausstellung „Mode 68. Mini, Sexy, Provokant “ des LVR-Industriemuseums zeigt bis 20. Dezember 2019 in der Textilfabrik Cromford in Ratingen, wie sich die Kleidung in den 1960er und 1970er Jahren wandelte.

Marian Verstraaten: „Als Übersetzerin für Mode und Textil bei intercontact translations entdecke ich tagtäglich die neuesten Modetrends. In aktuellen Modekollektionen erkenne ich regelmäßig Einflüsse aus der Vergangenheit, zum Beispiel in Form von Schlaghosen, Cord-Designs, Miniröcken und Hotpants.

Bei der Übersetzung für Modelabels muss ein Übersetzer genau wissen, wie er die verschiedenen Modestile und deren Kennzeichen am besten in seine Muttersprache übersetzt. Oft muss er sogar freier übersetzen. Kreativität ist ein Muss.

Stilmerkmale aus den 60er und 70er Jahren tauchen in den aktuellen Modekollektionen regelmäßig auf. Die Kenntnis von Stilmerkmalen bietet Fashion-Übersetzern und Textern Vorteile und Inspiration für ihre Arbeit.

Der Besuch der Ausstellung Mode 68 – Mini, Sexy, Provokant in der Textilfabrik Cromford in Ratingen ist eine solche Inspiration.“

15 Dinge, die Sie über Kultur und Mode in den 60er und 70er Jahren wissen sollten. Wussten Sie, dass ...

• ... bis Mitte der 1960er Jahre ein eleganter Kleidungsstil für Frauen als ideal angestrebt wurde? Damenbekleidung, die dem Beispiel der Haute Couture folgte, war die Norm. Accessoires wie Hut, Handtasche und Handschuhe waren sehr wichtig. Auch für Männer war ein anständiger Look ein Muss. Damals galt eine vollschlanke Figur als attraktiv. Nackte Haut und sichtbare Unterwäsche waren noch tabu. Es gab spezielle Kleidung für Wochentage, Sonntage und Freizeit. Später wurde diese Aufteilung nicht länger eingehalten.

• ... bis in die 1960er Jahre die Regel galt, dass der Ehemann der Alleinverdiener war und die Ehefrau sich um den Haushalt kümmerte? Dies war gesetzlich geregelt. Aber die Wirtschaft brauchte dringend weibliche Arbeitnehmer. Verheiratete Frauen gingen zunehmend in Teilzeit arbeiten. So verfügten die Familien über höhere Einkommen. Die Frauen hatten jetzt auch mehr Geld für Schönheit und Pflege zur Verfügung. Frauen sollten in dieser Zeit ein sexy Aussehen haben, aber es gab Grenzen.

• ... 1968 das Jahr des Wandels, der Jugendkultur und der Studentenunruhen war und die Mode sich dadurch radikal veränderte? Die Werte in der Gesellschaft veränderten sich von 1957 bis 1975 langsam. Deutschland war ein wohlhabendes Land mit einem höheren Bildungsniveau und einem freieren Lebensstil. Entfaltung war gerade jetzt für viele Menschen wichtig. Der jugendliche Kleidungsstil kam aus England nach Deutschland und war ein gutes Beispiel für den freien Lebensstil. Damals musste Mode noch lustig und kreativ sein. Extravagante und exklusive Mode wurde in den Hintergrund gedrängt. Die Models waren dünn. Die Modedesigner wurden von der modernen Kunst inspiriert. Der Kleidungsstil wurde freier und es gab keine strikte Trennung mehr zwischen Sonntagskleidung, Freizeitkleidung und Alltagskleidung.

• ... die sexuelle Revolution in den 60er Jahren auch eine große Veränderung mit sich brachte? Bis Mitte der 1960er Jahre waren der öffentlichen Darstellung von Sexualität Grenzen gesetzt. Aber das war in der Öffentlichkeit umstritten. In Zeitschriften wurden Bilder von nackten Frauen gezeigt. Nackte Menschen konnte man auch in der Werbung sehen. Diese sexuelle Befreiung bedeutete jedoch nicht, dass die Ungleichheit zwischen den beiden Geschlechtern beseitigt wurde.

• ... blumige Düfte in den 1950er und frühen 1960er Jahren sehr beliebt waren? Florale Düfte passten perfekt in die Gesellschaft der 1950er Jahre, aber diese Art von Düften gehörten nicht mehr in die moderne Gesellschaft. Florale Düfte galten als konservativ. Ende der 60er und in den 70er Jahren kreierte man Düfte mit Patschuli, Amber und Moschus. Düfte wurden modern und kamen aus anderen Ländern.

• ... der Minirock Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre sehr beliebt war? Der Minirock ist auch heute noch oft in aktuellen Modekollektionen zu sehen. Die Erfinderin des Minirockes war Mary Quant (1965). Weitere beliebte Pieces waren damals transparente unwattierte BHs, ausgestellte Hosen und Bikinis. Hotpants gehörten auch zum Modebild, aber diese waren am Arbeitsplatz nicht immer erlaubt. Wie aufregend der Look sein durfte? In der Gesellschaft wurde darüber viel diskutiert. Nicht jeder begrüßte den freien Lebensstil mit offenen Armen. Auf diese Weise entstanden Spannungen und Konflikte in der Gesellschaft.

• ... Tweed, Samt und Cord beliebte Materialien waren? Ende der 60er Jahre konnte Craquelé-Lack zu dieser Liste hinzugefügt werden.

• ... die französische Haute Couture seit 300 Jahren führend in der internationalen Mode war und diese führende Position nun zu Ende ging? Die Haute Couture war natürlich nur für die Reichen gedacht und für diejenigen, die sie sich leisten konnten. Menschen mit weniger Geld versuchten, diese Mode zu kopieren. Diese Bewegung fand in den 60er Jahren ein Ende. Die Jugendlichen wollten andere Kleidung tragen als ihre Eltern. Mode musste jetzt lustig und kreativ sein. Extravaganz und Exklusivität waren nicht mehr wichtig.

• ... auch ältere Menschen sich irgendwann von dieser Bewegung beeinflussen ließen? Sie fingen damit an, immer mehr bunte Mode zu tragen und entschieden sich nicht mehr für schwarze und dunkle Kleidung. Auch die Männermode wurde etwas freier. Eine Krawatte war kein Muss mehr. Der Rollkragenpullover konnte als Alternative zu einem Hemd getragen werden. Die Herrenbekleidung hatte jetzt auch eine akzentuierte Passform und wurde bunter.

• ... die Mode in der zweiten Hälfte der 60er und 70er Jahre von verschiedenen Stilen inspiriert wurde? Fashion lag auf der Straße. Mode musste für jeden bezahlbar sein. Modedesigner ließen sich vom Street Style inspirieren. Auch die Einflüsse von Fernsehen und Kino waren wichtig. Mit der richtigen Kleidung konnte man sich auch nach einem Kinobesuch noch mit seinem Helden identifizieren. Designer fanden ihre Inspiration in der künstlerischen Welt und in anderen Ländern. Es gab viele ethnische Stile, künstlerische Prints und Space Looks in der Modewelt. Auch die Jugendlichen und Hippies waren von exotischen Motiven aus anderen Kulturen fasziniert. Indische Motive, Paisley und folkloristische Looks aus Südeuropa und Südamerika waren beliebt. Auch die Reichen waren in stilvolle ethnische Looks verliebt. Sie kauften kostbare Kleider auf Kreuzfahrten oder in fernen Ländern. Die Menschen konnten aus verschiedenen Stilen wählen. Viele Teile konnten miteinander kombiniert werden. Auf diese Weise konnte man seinen persönlichen oder individuellen Lebensstil ausdrücken. Durch die Kleidung konnte man sich von anderen unterscheiden.

• ... psychedelische Aspekte Mitte der 1960er Jahre in Mode kamen? Damals wurden intensiv neue Drogen entwickelt und erforscht. Die Testpersonen von LSD sahen verschiedene Farben und Formen, sobald sie ihre Augen schlossen. Diese Farben und Formen stimulierten die Kreativität. Psychedelische Kunst wurde entworfen. Der psychedelische Aspekt wurde auch in der Mode verwendet, wie sich zum Beispiel in der Modekollektion von Emilio Pucci zeigt.

• ... die Haute Couture am Anfang kein Auge für die neuen Entwicklungen hatte, aber einige Designer wie Pierre Cardin und Paco Rabanne schon mit diesen Entwicklungen experimentieren wollten? Irgendwann musste die Haute Couture junge, erfrischende Elemente in ihre Kollektionen aufnehmen. Pierre Cardin und Andre Courreges ließen sich von der Raumfahrt inspirieren. Sie entschieden sich für klare Schnitte, geometrische Formen, glatte Oberflächen und neue Materialien. Weiß und Silber waren ebenfalls wichtige Farben, da sie an das Licht und die Reflexion des Mondes erinnern. Moonboots, Metall und Astronautenmützen in Helmoptik gehörten ebenfalls zu den Kollektionen. Paco Rabanne verwendete für seine Modekollektion neue Materialien wie Metall, Kunststoff und Papier. Rabanne war innovativ.

„The Rex Gildo Collection“ – Schlaghose, Minirock & Anzug

Er wollte, dass Mode für alle zugänglich war. Das von ihm entworfene Papierkleid war ein schönes Stück Design, das nicht genäht werden musste und vom Kunden selbst geändert werden konnte durch individuelles Zuschneiden.

• … in den 60er Jahren auch Lycra und Lurex benutzt wurden? Lycra ermöglichte enganliegende Kleidung. Lurex war perfekt für den Space Look, da es metallische Effekte kreieren konnte.

• ... Yves Saint Laurent 1966 für das Label Dior eine transparente Bluse („see-through Blouse“) entworfen hat? In den Vereinigten Staaten wurde darüber viel Aufheben gemacht. Viele waren der Ansicht, dass das Design zu viel zeigt.

Fazit

Marian Verstraaten: „Es war toll, bei der Ausstellung die vielen authentischen Artikel aus den 60er und 70er Jahren bewundern zu können. Die Kollektion war umfangreich und gab ein vollständiges Bild von dieser Zeit: von bunten Blusen und ausgestellten Jeans bis zu transparenten BHs und Röcken mit allen möglichen bunten Motiven – viele Stile waren vertreten. Es gibt immer wieder Pieces, Farben, Stoffe und Motive, die ein Comeback erleben.“

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