24. Mai 2018
Grafikerin passt Layout und Text für verschiedene Endgeräte an

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Endlich fertig! Ihr Texter hat den Text für eine Broschüre, eine neue App oder eine Website geliefert, er wurde in ein ansprechendes Layout gesetzt und alles ist bereit für die Veröffentlichung.

Es fehlt „nur noch“ eine Übersetzung, damit auch all Ihre fremdsprachigen Kunden Sie optimal verstehen. Kein Problem, denn das Layout steht ja bereits und Ihr Grafiker muss lediglich den übersetzten Text einfügen … oder ist es doch nicht ganz so einfach?

Warum Ihr „finales“ Design vor Erhalt der Übersetzung allenfalls ein Vorschlag sein sollte, erfahren Sie hier.

Unterschiedliche Textlänge im Ausgangs- und Zieltext

Ganz gleich, wie genau sich der Übersetzer an den Ausgangstext hält: Ausgangs- und Zieltext weisen selten dieselbe Länge auf.

Bei der Übersetzung eines deutschen Textes ins Englische ist der Zieltext in der Regel 20–25 % kürzer – allerdings nur rein optisch. Denn von der Anzahl der Wörter her ist die englische Übersetzung etwa 10 % länger.

Bei der Übersetzung eines deutschen Ausgangstexts ins Französische zeigt sich ein umgekehrtes Bild: Die französische Übersetzung ist rund 20 % länger.

Die Unterschiede in der Textlänge beruhen vor allem auf der unterschiedlichen Länge einzelner Wörter. So gibt es im Englischen viele kurze Wörter. Daher lässt sich auch bei wenig Platz viel ausdrücken. Im Deutschen gibt es hingegen viele Komposita – lange, zusammengesetzte Wörter –, die in den meisten anderen Sprachen durch mehrere Wörter wiedergegeben werden.

Auch die unterschiedliche Satzstruktur in den verschiedenen Sprachen spielt eine Rolle. Einige Satzkonstruktionen des Englischen lassen sich beispielsweise im Deutschen nur durch komplizierte Nebensätze ausdrücken. Durch den Umweg über einen Nebensatz braucht das Deutsche mehr Wörter – und da diese durchschnittlich aus mehr Buchstaben bestehen als im Englischen, ergibt sich ein deutlich längerer Text.

Daher weisen Ausgangs- und Zieltext meist eine unterschiedliche Länge auf. Wenn die Übersetzung deutlich länger ist als Ihr ursprünglicher Text, passt sie nicht in den begrenzten Platz Ihres fertigen Layouts.

Auch ein zu kurzer Text ist nicht optimal

Aber auch wenn die Übersetzung kürzer als der Ausgangstext ist, können sich Probleme ergeben. Denn in einem fertigen Layout sind die Texte, Bilder und Grafiken nicht einfach willkürlich zueinander gesetzt, sondern in bestimmter Weise positioniert. Dadurch ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Bei zu wenig Text lässt das Layout unter Umständen zu viel Leerraum.

Ein Layout, das für eine Sprache optimal passt, kann für eine andere Sprache gänzlich ungeeignet sein.

Und bedenken Sie: Nicht in allen Sprachen wird von links oben nach rechts unten geschrieben. Sie müssen Ihr Design daher auch an die Schreibrichtung Ihres Zielpublikums anpassen.

Platzproblem bei festgelegten Schaltflächen

Bei Buttons auf Internetseiten oder bei Apps kommt es häufig zu einem Platzproblem. Wenn die Größe der Schaltflächen festgelegt ist, kann es sein, dass diese zwar in der Ausgangssprache super passt, aber zu wenig Platz für die Übersetzung lässt.

Wenn Sie den Verwendungszweck gleich bei Auftragserteilung mit angeben, gibt es einen entscheidenden Vorteil: Die Übersetzer können versuchen, sich kurz zu fassen, oder sich gegebenenfalls für eine weniger wörtliche, dafür aber platzsparende Übersetzung entscheiden.

Stellen Sie sich vor, auf Ihrer Website gibt es mehrere lange Texte, von denen in einer Übersicht jeweils ein Teaser angezeigt wird. Durch Klick auf einen Button kann Ihr Websitebesucher den kompletten Text aufrufen.

Nehmen wir an, eine möglichst exakte Übersetzung des Textes für die Schaltfläche wäre: „Zusätzliche Informationen erhalten“. Dies lässt sich kürzer fassen, indem der Übersetzer zum Beispiel „Weitere Infos“ schreibt.

Dabei handelt es sich nicht mehr um eine Übersetzung im klassischen Sinne, sondern genau genommen um eine Adaption.

Was können Sie tun, um Probleme mit dem Layout zu vermeiden?

Ihr Layout so flexibel wie möglich halten. Wenn es bei den Abmessungen von Textfeldern und Bildern noch Spielraum gibt, lässt sich ein fremdsprachiger Text am einfachsten integrieren – unabhängig davon, ob er mehr Platz benötigt als Ihr Ausgangstext oder weniger umfangreich ausfällt.

Und wenn das finale Layout doch mal vor Erhalt der Übersetzung feststeht: Informieren Sie Ihr Übersetzungsbüro gleich bei Auftragserteilung über den Verwendungszweck.

In vielen Fällen gibt es unendlich viele Möglichkeiten für die Übersetzung eines einzelnen Satzes. Und nur wenn der Übersetzer die Vorgaben kennt, kann er sich für einen Satz entscheiden, der perfekt zu Ihrem Verwendungszweck – und vor allem ins Layout – passt.


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