Du oder Sie: Mit welcher Anredeform Sie Ihre Kunden im deutschsprachigen Raum am besten erreichen

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Im Deutschen gibt es drei verschiedene Anredeformen, die Sie verwenden können, um Ihre Kunden anzusprechen: Sie, Du und du.

Welche sich am besten für Ihr Unternehmen eignet, um Ihr Zielpublikum anzusprechen, und welche Wirkung die verschiedenen Anredeformen auf Ihre Kunden haben, erfahren Sie hier.

 

Die vertraute Anrede: Du

Unabhängig von der Groß- oder Kleinschreibung werden mit Du/du im Allgemeinen Minderjährige, gute Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder angesprochen. Es handelt sich demnach um eine vertraute Anrede.

Während das höfliche Anredepronomen Sie immer großgeschrieben wird, gibt es beim Du/du zwei verschiedene Varianten.

Häufig kommt es bei der richtigen Verwendung dieser zwei Formen zu Verwirrungen. Dies liegt vor allem daran, dass die gültige Rechtschreibung über die Jahre immer mal wieder geändert wurde.

Das großgeschriebene Du wirkt respektvoller

Vor allem ältere Generationen legen mitunter Wert auf die Anrede mit einem großgeschriebenen Du, da sie es in der Schule noch so gelernt haben. Im Gegensatz zu dem kleingeschriebenen du wirkt das große Du respektvoller – das bedeutet allerdings nicht, dass ein kleines du respektlos ist.

Jüngere Generationen legen in der Hinsicht eher weniger Wert auf die Groß- oder Kleinschreibung von Du/du.

Wenn ältere Personen solch einen Wert darauf legen und es jüngeren ohnehin egal ist, könnte man fast meinen, mit dem großgeschriebenen Du könne man nichts verkehrt machen. Es gibt nur einen Haken:

Das großgeschriebene Du kann nicht in jedem Fall verwendet werden

Um das großgeschriebene Du verwenden zu können, muss der Autor eines Schreibens den Leser ganz gezielt und persönlich ansprechen.

So ist die Großschreibung von Du zwar in Newslettern, E-Mails o. Ä. möglich, in Werbetexten jedoch meist nicht. Denn mit Werbe- bzw. Marketingtexten wird eine Vielzahl an Personen gleichzeitig angesprochen, während ein Newsletter gezielt jemand Bestimmten anspricht. Wichtig ist, dass es hierbei nicht um die Textsorte geht: Das ausschlaggebende Kriterium für die Großschreibung ist die persönliche Ansprache. (vgl. Duden)

Das kleine du ist immer möglich

Das großgeschriebene Du kann also nur in bestimmten Ausnahmefällen verwendet werden, während das kleine du immer möglich ist.

Möchten Sie also eine in all Ihren Texten einheitliche Schreibweise, sollten Sie sich für die Kleinschreibung entscheiden.

Wenn Sie mehr dazu wissen möchten, finden Sie auf der Internetseite Schriftdeutsch eine tiefergehende und sehr interessante Ausführung zum Thema, die übrigens der Ansicht des Dudens widerspricht.

Die formelle Anrede: Sie

Mit Sie werden üblicherweise Volljährige angesprochen. Im Gegensatz zum Du/du, das Freunden und Familie vorbehalten ist, wird das Sie bei formelleren Anlässen verwendet und zeigt eine gewisse respektvolle Distanz zum Gesprächspartner.

Es handelt sich also weniger um eine vertraute Anrede als um eine höfliche, distanzierte und professionelle.

Die Anredeform ist allerdings auch abhängig von Ihrem Unternehmen

Ob Sie Ihre Kunden mit Du/du oder Sie ansprechen, ist auch abhängig von Ihrer Unternehmenskultur und davon, wie Sie von Ihren Kunden gesehen werden möchten.

Das Du ist sehr persönlich – so sprechen Sie mit Ihrem besten Freund. Sie kennen sich persönlich und er steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Da er Sie so gut kennt, weiß er genau, welche Faktoren er beachten sollte, wenn er Ihnen einen Rat gibt – und Sie vertrauen ihm natürlich.

Ihr Freund wünscht Ihnen nur das Beste und seine Tipps und Ratschläge sind daher gut durchdacht und genau auf Sie zugeschnitten. Aber die Tipps, die er Ihnen gibt, stammen nun einmal nicht von einem Profi. Und nicht mit jedem Thema kennt er sich perfekt aus.

Im Gegensatz zu Ihren besten Freunden stehen Sie jemandem, den Sie mit Sie ansprechen, nicht so nahe. Es herrscht eine gewisse Distanz zwischen Ihnen. Sie kennen sich vielleicht aus dem Büro oder die Person ist einer Ihrer Kunden – auf jeden Fall kennen Sie sich eher aus dem beruflichen als dem privaten Kontext.

Und weil Sie sich aus dem beruflichen Kontext kennen, geht es in Ihren Gesprächen auch meist um das Fachgebiet entweder von Ihnen oder von Ihrem Gesprächspartner. Wenn Sie Ihren Kunden beraten, dann geben Sie ihm keinen freundschaftlichen Rat, sondern echte Expertentipps.

Letztlich kann sowohl freundschaftlicher als auch professioneller Rat hilfreich sein.

Und genau hier kommt es auf Ihren Fachbereich an

Denn es richtet sich nach Ihrem Fachbereich, ob Ihre Kunden im Allgemeinen eher Wert auf freundschaftlichen Rat legen oder einen professionellen Rat bevorzugen.

Wenn Sie zum Beispiel auf eine Feier gehen wollen und nicht wissen, was Sie anziehen sollen – da kann eine gute Freundin Ihnen am besten helfen. Sie kennt Sie und Ihren Geschmack und weiß genau, was Ihnen steht – und wenn Ihnen die dunkelblaue Jacke eben nicht steht, sagt sie das auch. Ihre Freundin will Ihnen nichts verkaufen, sondern Sie bestens beraten.

In anderen Bereichen, wie beispielsweise Medizin, Jura oder Technik, vertrauen Sie jedoch eher auf den Rat eines Experten.

Oder kann Ihr Freund Ihnen juristischen Rat geben – immerhin hat er mal eine Gerichtsshow im Fernsehen gesehen? Kann ein Gespräch mit Ihrer Freundin etwa den Besuch beim Arzt ersetzen, nur weil diese auch schon einmal krank war?

In diesen Fällen wollen Sie keine Tipps von einem Freund, sondern die Meinung eines echten Experten, der sich jeden Tag mit der Thematik beschäftigt. (Wenn Ihr bester Freund hingegen in dem entsprechenden Bereich tätig ist, kann freundschaftlicher Rat natürlich ebenso gut sein.)

Unabhängig von Ihrem Fachbereich sollten Sie Ihre ganz persönliche Zielgruppe im Blick behalten

Denn jeder Ihrer Kunden hat eine ganz individuelle Vorliebe, wie er angesprochen werden möchte. Und das Alter Ihrer Zielgruppe spielt dabei ebenfalls eine Rolle.

Letztlich kann sich Ihr Unternehmen auch mit der Wahl einer eher unkonventionellen Anredeform von der Masse abheben.

Für Unternehmen, die ursprünglich aus Ländern kommen, in deren Sprachen es keine Unterscheidung zwischen Du/du und Sie gibt oder in denen fast ausschließlich eine sehr persönliche Ansprache verwendet wird, kann es demnach eine bewusste Entscheidung bei der Internationalisierung sein, auch im deutschsprachigen Raum auf eine sehr vertraute Anrede zu setzen, selbst wenn es in Deutschland eher unüblich sein mag. Denn damit wird ein Bezug zum Heimatland des Unternehmens hergestellt und eine innovative Note verliehen.

Wie Sie Ihre Kunden also ansprechen, ist eine sehr individuelle Entscheidung und richtet sich nach Ihrem Unternehmen und Ihrer Zielkundschaft. Überlegen Sie sich daher, welche Philosophie Ihr Unternehmen lebt und welche Kunden Sie ansprechen möchten.

Ein wichtiger Tipp zum Schluss:

Egal, für welche Anrede Sie sich entscheiden, achten Sie auf jeden Fall auf eine einheitliche Verwendung. So ist gewährleistet, dass Ihr Kunde sich kontinuierlich angesprochen fühlt.