Translation Memory: Wie Ihr Übersetzer damit arbeitet und wie Sie davon profitieren

Floppy Disk vor rauchigem Hintergrund

Translation Memory? CAT-Tools? Übersetzungssoftware? Noch nie gehört. Vielleicht fragen Sie sich, wozu Ihr Übersetzer überhaupt eine Software braucht.

Es könnte doch so einfach sein: In der linken Bildschirmhälfte hat der Übersetzer Ihr Word-Dokument geöffnet, in der rechten Hälfte parallel ein neues Textdokument, in das er die Übersetzung gleich reintippt. Vielleicht hat der Übersetzer auch einfach Ihre Word-Datei geöffnet und ersetzt den Ausgangstext Wort für Wort durch seine Übersetzung oder setzt alles einfach untereinander in ein Dokument.

So einfach ist es nicht – zum Glück! Denn es gibt spezielle Übersetzungssoftware, die Ihrem Übersetzer bei der Arbeit hilft – und von der letztlich auch Sie profitieren.

 

Übersetzungssoftware

Egal welches Dateiformat Sie schicken, Word-Dokument, Excel-Tabelle oder PDF, Ihr Übersetzer arbeitet im Allgemeinen nicht direkt in Ihrer Datei. Damit der Übersetzer mit Ihrem Text arbeiten kann, liest ein Projektmanager zunächst Ihre Datei in eine spezielle Übersetzungssoftware ein: in ein computergestütztes Übersetzungstool (CAT-Tool).

Unabhängig von Ihrem ursprünglichen Dateiformat werden in dieses Tool nur die zu übersetzenden Texte eingelesen. Ihr Text wird dabei in einzelne Segmente untergliedert.

Bei einem Segment handelt es sich um einen Sinnabschnitt – das kann ein einzelnes Wort sein, ein Stichpunkt, eine Überschrift, eine Phrase oder auch ein vollständiger Satz über mehrere Zeilen.

In der Software sieht Ihr Übersetzer Ihren Ausgangstext und kann gleich daneben seine Übersetzung für das jeweilige Segment eintragen.

Das Praktische: Nach der Übersetzung wird der übersetzte Text beim abschließenden Erstellen der Zieldatei automatisch wieder in das Layout gesetzt – selbst bei einer Tabelle muss der Übersetzer diese also nicht entsprechend Ihrer Ausgangsdatei nachbauen oder Ihren Originaltext durch seine Übersetzung austauschen.

Doch was ist nun Ihr Vorteil dabei?

 

Translation Memorys

In der Übersetzungssoftware findet sich eine weitere nützliche Funktion: das Translation Memory. Wörtlich übersetzt handelt es sich dabei um einen Übersetzungsspeicher – und genau das ist es auch. Das Translation Memory speichert vorherige Übersetzungen – es ist im Prinzip ganz einfach.

Ein Translation Memory wird pro Kunde angelegt und ist zunächst leer. Erst durch die Arbeit des Übersetzers füllt es sich. Segmentpaare aus Ausgangstext und Übersetzung werden dabei gemeinsam abgespeichert.

Bei der Übersetzung eines neuen Textes wird Ihrem Übersetzer dann automatisch die vorherige Übersetzung vorgeschlagen, wenn genau dasselbe Segment schon einmal in einem Ihrer vorherigen Texte vorkam. Dies wird als 100 %-Match bezeichnet.

Der Übersetzer kann aber selbst ein 100 %-Match nicht einfach übernehmen, sondern muss entscheiden, ob die vorherige Übersetzung in den neuen Kontext passt und exakt so übernommen werden kann oder ob doch noch etwas angepasst werden muss.

Ein 100 %-Match, bei dem auch noch der Kontext – also das Segment davor – gleich ist, wird als Kontext-Match bezeichnet.

Segmente, die nicht exakt mit einem vorher übersetzten Segment übereinstimmen, werden je nach Grad der Ähnlichkeit als Fuzzy-Match bezeichnet. Das Translation Memory zeigt hierbei das vorher übersetzte ähnliche Segment an und stellt im Ausgangstext die Wörter heraus, die davon abweichen. Dadurch kann der Übersetzer speziell auf diese Wörter achten und die Übersetzung entsprechend anpassen.

Ist die Übereinstimmung mit einem vorher übersetzten Segment allerdings geringer als ein bestimmter Prozentwert – als Standard wird meist ein Wert um 70 % verwendet –, gilt das Segment als neu und muss praktisch komplett neu übersetzt werden. Das rührt daher, dass die alte Übersetzung bei einer zu geringen Übereinstimmung kaum einen Nutzen mehr für den Übersetzer darstellt.

Wie Sie sehen, ist ein Translation Memory kein maschinelles Übersetzungstool, das automatisch Texte übersetzt. Es ist nicht in der Lage, neue Sätze eigenständig zu übersetzen – auch wenn es durch vorherige Übersetzungen schon jedes einzelne Wort des Satzes „kennen“ sollte. Das Translation Memory kann weder die Rechtschreibung prüfen noch Übersetzungsfehler oder grammatische Fehler erkennen.

Aber es erkennt, wenn die entsprechenden Segmente exakt so oder zumindest in ähnlicher Form an anderen Textstellen schon einmal übersetzt wurden und kann dem Übersetzer diese bereits vorhandenen Übersetzungen vorschlagen.

Das Translation Memory ist also ein Hilfstool, denn so müssen dieselben Sätze nicht immer wieder neu übersetzt werden. Dies sorgt zusätzlich für Einheitlichkeit und verbessert die Effizienz und Qualität – Ihr Übersetzer muss weniger Segmente von Grund auf neu übersetzen und hat daher mehr Zeit zum Überprüfen bestehender Übersetzungen.

Ein weiterer Pluspunkt: Je mehr Text Ihr Übersetzer für Sie übersetzt, desto voller wird der Übersetzungsspeicher und desto mehr Segmente sind schon vorübersetzt. Zusätzlich zu einer schnelleren Übersetzung bieten viele Übersetzungsbüros Translation-Memory-Rabatte an, wodurch Sie Kosten sparen können.

 

Terminologiedatenbanken

Ein zusätzliches Hilfstool für den Übersetzer ist die Terminologiedatenbank, kurz Termbank. Die Termbank ist eine Art internes Wörterbuch, das entweder direkt beim Arbeiten entsteht, indem der Übersetzer seine selbst übersetzten Begriffe hinzufügt, oder das vorab erstellt wird, indem eine zwei- oder mehrsprachige Datei mit Begriffspaaren, die Sie als Kunde zur Verfügung stellen, importiert wird.

Letzteres ist zum Beispiel sinnvoll, wenn es bereits Begriffe mit entsprechender Übersetzung gibt, die intern in Ihrem Unternehmen festgelegt sind.

In der Übersetzungssoftware kann die Termbank dauerhaft eingeblendet werden. Taucht in einem Satz dann ein Begriff auf, der in der Termbank hinterlegt ist, wird das entsprechende Wort markiert und automatisch die gespeicherte Übersetzung angezeigt.

Auch hier gilt jedoch, dass Ihr Übersetzer die Übersetzung nicht einfach unreflektiert übernehmen kann, da ein Begriff auch mehrere Bedeutungen und daher mehrere mögliche Übersetzungen haben kann. Und eventuell ist bisher nur eine davon in der Termbank hinterlegt.

 

Wie profitieren Sie von Translation Memorys?

Wenn Ihr Übersetzer mit einem Translation Memory arbeitet, können Sie in mehrfacher Hinsicht profitieren. Ihre Vorteile sind zum Beispiel:

  • ein einheitlicher Stil,
  • Konsistenz durch einheitliche Übersetzung,
  • hohe Qualität durch Konsistenz,
  • schnellere Übersetzung durch vorübersetzte Segmente und
  • geringere Kosten dank bereits vorhandener Übersetzungen und daraus resultierender Rabatte.

Auch bei kreativen Texten, zum Beispiel bei Produktbeschreibungen, die zum Teil besonders individuell sein sollen, profitieren Sie von Translation Memorys, da bei Folgeaufträgen auf bereits vorhandene Übersetzungen zurückgegriffen werden kann.

Ein Translation Memory ist also in jedem Fall ein Gewinn für Sie.